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Nordelbe, SAGA und Co. – Mieter*innen wehren sich gegen illegale Tricks

Es ist weithin bekannt, dass Vermieter*innen systematisch auch illegale Methoden anwenden, um Mieter*innen auszunehmen, zu kontrollieren und klein zu halten. Dagegen wehren sich bei Wilhelmsburg Solidarisch gemeinsam Nachbar*innen.

Mieter*innen haben es in Wilhelmsburg nicht leicht. Überhaupt eine Wohnung oder ein Zimmer zur Untermiete zu finden ist schwierig genug. Für viele ist das nur möglich, wenn sie Mieten in Kauf nehmen, die eigentlich viel zu teuer sind. Denn in den letzten Jahren sind zwar die Mieten ordentlich angestiegen, die Löhne aber nicht. Das geht auf Kosten des Urlaubs, des Zahnersatzes oder des Schwimmbadbesuchs und ist einer der Gründe dafür, warum arme Menschen durchschnittlich 10 Jahre kürzer leben als Reiche. Das Angebot an Mietwohnungen, die für Menschen mit geringen Einkommen überhaupt noch bezahlbar wären, schrumpft immer weiter. Weil tausende Wohnungen aus den Sozialbindungen gefallen sind. Weil die Einwohner*innenzahl in Hamburg und insbesondere auch in Wilhelmsburg stark gewachsen ist. Und weil das Neubauprogramm des Hamburger Senats zu zwei Dritteln teure Miet- und Eigentumswohnungen vorsieht, in Hamburg aber rund die Hälfte aller Bewohner*innen Anrecht auf geförderten Wohnraum hätten.

Angesichts dieser Situation glauben viele Vermieter*innen, sich alles erlauben zu können, um ihre Einnahmen zu steigern. Es werden horrende Preise genommen, im Reiherstiegviertel oder Bahnhofsviertel sind 10 Euro netto kalt – und mehr – keine Seltenheit. Und auch das Mietrecht ist vielen Hauseigentümer*innen offenbar ziemlich egal. Beispiele dafür gibt es zuhauf, auch bei Genossenschaften und SAGA, die einen „sozialen“ Ruf haben.

Die Vermietungspraxis der stadteigenen SAGA zeigt, dass die Verdrängung der Armen und Menschen mit tatsächlichem oder unterstelltem Migrationshintergrund zur offiziellen Politik des SPD geführten Senats gehört. Erst im März 2017 wurde sie zu 1.000 EURO Entschädigung verurteilt, weil sie eine Frau wegen ihres türkisch klingenden Nachnamens abgelehnt hatte. Vor Gericht machte die SAGA klar, dass sie bestimmen will, in welche Gegenden arme Menschen oder Menschen mit ausländisch klingendem Nachnamen ziehen dürfen – und in welche nicht. In den offiziellen Verlautbarungen heißt diese Politik der Verdrängung „soziale Durchmischung“. Mit dieser Praxis sollen gezielt weiße Gutverdienende in Stadtvierteln angesiedelt werden, in denen hauptsächlich Geringverdiener*innen leben. Selbstverständlich werden im Gegenzug keine Ausweichwohnungen in Eppendorf zur Verfügung gestellt. Die Zukunftsvision hinter dieser Politik lautet: Arme Menschen sollen die schlecht bezahlten Jobs in der Stadt machen, aber nicht in der Stadt wohnen.

SAGA: Untervermietung nur nach Vorstellungsgespräch? Unrechtmäßig!

So erklärt sich auch weshalb Untermieter*innen sich neuerdings persönlich auf der SAGA-Geschäftsstelle vorstellen sollen – das ist rechtlich völlig unnötig und dient einzig dazu, zu kontrollieren und Macht auszuspielen. In den uns bekannten Fällen, reichte ein Verweis auf die Gesetzeslage um die SAGA davon zu überzeugen von ihrer Forderung Abstand zu nehmen.

Die Vermietungspolitik der Nordelbe jedoch, die wir bei Wilhelmsburg Solidarisch in den letzten Monaten mitbekommen haben, setzt dem Ganzen die Krone auf. Und dagegen wehren sich Mieter*innen nun gemeinsam.

Nordelbe: 155 Euro „Vertragsabschlussgebühr“, drei Monatsmieten Kaution auf einen Schlag, befristete Untervermietung? Alles unrechtmäßig!

Die Nordelbe ist eine der größten Vermieterinnen in Wilhelmsburg. Ihr gehört ein großer Bestand an der Harburger Chaussee, aber auch im Reiherstiegviertel vermietet sie Wohnungen. Aktuell etwa eine 50 m² große Wohnung in der Fährstraße für 590 Euro kalt – das sind satte 12 Euro pro Quadratmeter plus Nebenkosten. Solche Preise nimmt zwar auch die Vonovia (Ex-GAGFAH) im Bahnhofsviertel, aber selbst die ist unseres Wissens nach noch nicht auf die Idee gekommen, von allen Neumieter*innen eine sogenannte „Vertragsabschlussgebühr“ zu kassieren. Für die Ausfertigung eines Mietvertrags verlangt die Nordelbe 155 Euro extra – vollkommen illegal. Hier spielt sie ihre Macht als Hauseigentümerin konsequent aus. Sie weiß, dass Menschen dringend auf Wohnungen angewiesen sind und notgedrungen die Gebühr zahlen. Auch verlangt die Nordelbe die erste Warmmiete und drei Kaltmieten als Kaution, bevor sie die Schlüssel übergibt – für viele Menschen ist es ein Problem, so viel Geld auf einmal aufzutreiben. Aber die Nordelbe weigert sich entgegen dem Mietrecht, dass die Kaution in drei Teilen über drei Monate bezahlt wird. Untervermietungen genehmigt die Nordelbe immer nur befristet auf sechs Monate. Auch dieses Vorgehen ist unrechtmäßig. Untermietgenehmigungen gelten automatisch unbefristet und sind an die Laufzeit des Hauptmietvertrags gekoppelt. Dennoch versucht die Nordelbe Kontrolle auszuüben und Mieter*innen einzuschüchtern – es steht ja immer die Verlängerung der Untermieterlaubnis auf dem Spiel, wenn es zu Konflikten kommt.

Die Nordelbe arbeitet gezielt mit der Unwissenheit und der vermeintlichen Unfähigkeit der Mieter*innen, ihre Rechte durchzusetzen. Doch allein „im Recht“ zu sein reicht nicht – wir müssen das Mietrecht durchsetzen, denn sonst hält sich wohl kaum ein Vermieter daran.

Gemeinsame Aktionen gegen die Tricks von Nordelbe und SAGA

Deshalb haben sich Mieter*innen der Nordelbe und andere Bewohner*innen Wilhelmsburgs nun entschlossen, sich gemeinsam zu wehren. Wir treffen uns bei Wilhelmsburg Solidarisch regelmäßig, um Konflikte um Mieten, aber auch um Arbeitsverhältnisse oder das Jobcenter zu beratschlagen und gemeinsam anzugehen. Ab Januar werden wir im Viertel unterwegs sein und mit Flugblättern über die illegalen Praktiken informieren und Wege aufzeigen, wie wir uns gemeinsam wehren und beispielsweise das Geld von der Nordelbe zurückholen können. Alle, die dabei mitmachen wollen, finden die Termine auf solidarisch.org.

Dieser Artikel erscheint am 18. Januar im Wilhelmsburger InselRundblick.
Auch die taz berichtete über unsere Aktionen unter dem Titel „Ein Wohungsunternehmen zockt ab“.


Musterbriefe

• Nordelbe: Rückforderung der „Vertragsabschlussgebühr“
• Nordelbe: Keine Befristung de Untermietgenehmigung
• SAGA: Kein Vorstellungsgespräch des Untermieters


Flugblätter


 

Nordelbe’s dirty tricks and what we can do against them

Rents in Wilhelmsburg are rising. Ten years ago, 6 euros per square meter was still customary – today it is 10 euros, and often even more in the Reiherstiegviertel. Many of us are in financial difficulties. Many of us face the threat of eviction from the district or even from the city. This is the political intention! The focus of the private Nordelbe GmbH is on profit. And for profit, everything seems to be allowed. We would like to inform you about the harassment of the Nordelbe, its background and how we defend ourselves against it.

155 EURO CONTRACT CONCLUSION FEE – 3 MONTH RENT DEPOSIT AT ONE GO – TEMPORARY SUBLEASE? NOT WITH US!

When concluding a rental agreement, Nordelbe charges 155 Euro as handling fee. That’s illegal, and you can get the money back. Pay the fee first, otherwise the Nordelbe may not be willing to let you the apartment. As soon as you have moved in, you can request the money back in writing from the Nordelbe.

The Nordelbe also requires the first warm rent and three cold rents as a deposit before handing over the keys. If you don’t have that kind of money in your account, don’t panic. You have the right to pay the deposit in three equal installments in three months. However, enforcing this right can be difficult. From our experience we know that Nordelbe will resist this. So, until there is no handover of the keys, we prefer to come to one of our meetings to discuss the procedure together.

In addition, the Nordelbe is trying to limit subletting to 6 months. No matter what Nordelbe claims, this limitation is invalid! Permission is automatically granted for an unlimited period of time. It also requires the identification card of the subtenant. However, it is sufficient if the main tenants state the name, date of birth and occupation of the subtenants.

All these practices of the Nodelbe are designed to make as much profit as possible. As long as living space has to yield profit and is not managed by us tenants, evictions, rising rents and moldy apartments will be on the agenda. If you don’t want to lose out, you can fight back together with us. Come to a meeting of Wilhelmsburg Solidarisch if you have problems with your landlord. Often a letter is enough to defend oneself against the illegal tricks. You can find sample letters here.

SAGA’s dirty tricks and what we can do against them

Rents in Wilhelmsburg are rising. Ten years ago, 6 euros per square meter was still customary – today it is 10 euros, and often even more in the Reiherstiegviertel. Many of us are in financial difficulties. Many of us face the threat of eviction from the district or even from the city. This is the political intention! The focus of the city-owned SAGA is on profit. And for profit, everything seems to be allowed. We would like to inform you about the harassment of the SAGA, its background and how we defend ourselves against it.

SUBLETTING ONLY AFTER INTERVIEW?
NOT WITH US!

Recently, SAGA has requested that subtenants get to know each other in a personal conversation. That is legally unnecessary! It is sufficient if the main tenants state the name, date of birth and occupation of the subtenants.

Why does SAGA do this? She wants to make sure the „right“ people move in. Only in March they were sentenced to 1,000 EURO compensation for rejecting a woman on account of her Turkish-sounding name. In court, SAGA made it clear that it wants to determine in which areas poor people or people with a foreign-sounding surname are allowed to move – and in which areas not.

It is obvious to us that eviction of the poor and racist discrimination are official policies of the city! After all, cheap apartments in Eppendorf will not be made available to us in return. On the contrary. Although demand is rising, we are seeing less and less affordable housing because almost all of it is being built for the better off.

We must defend ourselves against this! As long as living space has to yield profit and is not managed by us tenants, evictions, rising rents and moldy apartments will be on the agenda. If you don’t want to lose out, you can defend yourselves together with us. Come to a meeting of Wilhelmsburg Solidarisch if you have problems with your landlord. With us, a letter was enough to get the subletting approved without an interview. You can find the letter here. By the way: If you are not allowed to sublet, you may even be entitled to damages. We are happy to support you in this as well.

Nordelbe firmasının oyunlarına karşı ne yapılmalı?

Wilhelmsburgda kiralar durmadan artıyor. Altı yıl önce mir metre karenin kira bedeli 6 Euroy idi. Şimdi bir metre karenin fiyati 10 Euro. Reiherstieg mahallesinde ki kiralar daha da pahalı. Aramızda çoĝumuzun maddi durumu iyi deĝil. Hatta bir çoĝumuz maddi zorluktan dolayı semti ve hatta şehri terk etmek zorunda kalabiliriz.

Tamda böyle bir durumun olmasını politikacılar istiyor! Özel bir firma olan Nordelbe GmbH kar amaçlı çalıştıĝı için, insanların maddi durumunun yetersizliĝinden şehri terk etmek zorunda kalması umrunda bile deĝil.

155 EURO HAVAYA DOSYA PARASI. AYNI ANDA ÜÇ AYIN KIRASI DEPOSIT OLARAK ISTENIYOR. DAIREYI ALT KIRACI VERMEK SINIRLI TUTULUYOR. TÜM BUNLARA HAYIR DIYORUZ!

Nordelbe her kira sözleşmesi başına 155 Euro dosya parası istiyor. Bu uygulama kanun dışı. Sizden böyle bir ücret istenirse, baştan evi kaçırmamak için bu parayı ödeyin, sözleşmeyi imzaladıktan sonra paranızı yazılı olarak geri isteyin. Aksi takdirde parayı önden ödemezseniz Nordelbe evi size vermek istemecektir.

Bunun dışında Nordelbe üç ayın kirasını depozit olarak istiyor. Depozitin verilmediĝi durumlarda evi almak mümkün olmaz. Bu kadar paranız yoksa paniĝe kapılmanıza gerek yok. Depozitin bir anda ödenmesi gerekmiyor. Kanuna göre depoziti üc taksitde ödeme imkanı var. Bu hakkı Nordelbe´nin karşısında kullanmak kolay deĝil.

Kendi tecrübelerimizden de biliyoruz ki Nordelbe bu hakkın kullanılmasına karşı çıkar. Bu konularda Nordelbe´yle başınız derde girmeden bizim toplantılarımıza gelin birlikte düşünerek hareket edelim. Nordelbe elinizdeki eve alt kiracı almayı 6 ayla sınırlandırıyor. Nordelbe´nin zaman sınırlaması kira kanuna aykırı.

Evi alt kiraya verme onaylandıktan sonra, alt kira sözleşmesi otomatikmen süresiz seçerlilik kazanır. Evi alt kiracıya verme durumunda, yine Nordelbe kanun dışı olarak alt kiracının kimliĝinin kopyasını istiyor. Bu uygulama kanun dışı. Eve alt kiracı alırsanınz, alt kiracının Nordelbe´ye sadece adı, soyadı, doĝum tarihi ve mesleĝinin ne olduĝunu bildirmeniz yeterli.

Bu türlü uygulamalarla Nordelbe kârına kâr katmaya çalışıyor. Evlerin kâr amaçlı kiraya verildiĝı ve kiracıların yönetimde söz sahibi olmadıĝı sürece rutubetli evlerden, yükselen kiralardan ve dışlanmaktan kurtulamayız.

Madur olmak istemiyorsanız gelin birlikte mücadele edelim. Ev sahibinizle probleminiz varsa Wilhelmsburg dayanış gurubunun buluşma noktasına gelin. Çoĝu zaman bir mektub yazmak Nordelbe´nin oyununu bozmaya yeter.

Bu konuda ki hazır yazılmış örnek mektubları www.solidarisch.org adresinde bulabilirsiniz. Bizler iş yerlerinde patronlarla, devlet dairelerinde ve ev sahipleriyle yaşanan problemler karşısında güç birliĝi yaparak bir araya geliyoruz. Karşılıklı dayanışmanın sonucunda mutlaka daha çok neticelere ulaşabiliriz.

SAGA firmasının bayat oyunlarına karşı ne yapılmalı?

Wilhelmsburgda kiralar durmadan artıyor. Altı yıl önce mir metre karenin kira bedeli 6 Euroy idi. Şimdi bir metre karenin fiyati 10 Euro. Reiherstieg mahallesinde ki kiralar daha da pahalı. Aramızda çoĝumuzun maddi durumu iyi deĝil. Hatta bir çoĝumuz maddi zorluktan dolayı semti ve hatta şehri terk etmek zorunda kalabiliriz.

Tamda böyle bir durumun olmasını politikacılar istiyor! Bir kamu kurumu olan SAGA da sanki özel bir firmaymış gibi kar elde etmeyi ön pilanda tututtuĝu için, insanların maddi durumunun yetersizliĝinden şehri terk etmek zorunda kalması umrunda bile deĝil. SAGA´nın çalışma tarzı, gerçek niyeti, yaptıkları pilanların iç yüzünün ortaya çıkarılması bizim yapacaĝımız savunma amaçlı çalışmalarla mümkün.

ELINIZDE KI DAIRENIN ALT KIRAYA VEREBILMEK ICIN SAGA´NIN TALEP ETTIGI MECBURI GÖRÜSME UYGULAMASINA KARŞI ÇIKALIM!

Anlaşılana göre SAGA, evin alt kiraya verilmeden önce alt kiracıyı şahsen görmek istiyor. Kira kanuna göre böyle bir talep tamamiyle gereksiz! Nordelbe her kira sözleşmesi başna 155 Euro dosya parası istiyor. Bu uygulama kanun dışı. Birinci kiracı olarak evinize alt kiracı almaya karar verirseniz, SAGA´ya alt kiracının sadece adı, soyadı, doĝum tarihi ve mesleĝinin ne olduĝunu bildirmeniz yeterli.

SAGA böyle bir uygulamaya neden gerek duyuyor? Tabii ki SAGA kendi seçerek bulduĝu müşterilerine ev veriyor. SAGA daha bu senenin Mart ayında kiracılar arasında bir kadının soy isminin Türk´e benzediĝi için ayırımcılık yaptı ve bu nedenden açılan bir dava sonucunda ilgili mahkemece 1.000 Euro para cezasına çarptırıldı. SAGA mahkeme ifadesinde, kiracılarını zengin-fakir, göçmen-yerli diye sınıflara bölerek insanları bu esasa göre Hamburg´un bölgelerine yerleştirmek istediĝini resmen açıkladı.

Evlerin kâr amaçlı kiraya verildiĝı ve kiracıların yönetimde söz sahibi olmadıĝı sürece rutubetli evlerden, yükselen kiralardan ve dışlanmaktan kurtulamayız.

Madur olmak istemiyorsanız gelin birlikte mücadele edelim. Ev sahibinizle probleminiz varsa Wilhelmsburg dayanış grubunun buluşma noktasına gelin. Çoĝu zaman bir mektub yazmak SAGA´nın oyununu bozmaya yetiyor Evinizi alt kiraya vemeniz i için SAGA´ya alt kiracıyı şahsen tanıtmanız gerekmiyor. Bu uygulamadan zarar görürseniz zararınızı SAGA´dan tazminat olarak geri alma imkanınız var.

Bu konuda ki hazır yazılmış mektub örneklerini www.solidarisch.org adresinde bulabilirsiniz. Bizler iş yerlerinde patronlarla, devlet dairelerinde ve ev sahipleriyle yaşanan problemer karşısında güç birliĝi yaparak bir araya geliyoruz. Karşılıklı dayanışmanın sonucunda mutlaka daha çok neticelere ulaşabiliriz. Birlikte güçlüyüz!

Film und Diskussion: Gallus beyond Gallus – Positionen für eine bewohnbare Stadt

Am Mittwoch, den 20. Dezember um 19 Uhr laden wir ins Kölibri (Hein-Köllisch-Platz 12) zu Film und Diskussion. Wir zeigen ab 19:30 Uhr den Film „Gallus beyond Gallus – Positionen für eine bewohnbare Stadt“, im Anschlusswollen wir mit euch und den Filmemacher_innen diskutieren.

Basierend auf einer Recherche im Frankfurter Gallusviertel behandelt der Film die Kämpfe um die Stadt. Ausgehend von unterschiedlichen Erfahrungen bedenken und bearbeiten die Interviewten folgende Fragen: Wie verdichten sich globale Kräfteverhältnisse im Lokalen? Welche Organisierungsformen können eine Gegenmacht entfalten? Wie kann ein weniger bittstellerischer Umgang mit Behörden aussehen? Wie manifestieren sich bestimmte Lebensweisen architektonisch? Wie lässt sich im Kampf das Alltagsleben umgestalten?

Der Film verzichtet auf jede Abbildung der Stadt und des städtischen Lebens. Er kreist unter Zuhilfenahme künstlerischer Mittel um die Suche danach, wie das Wissen um die eigene Situation sich in der gemeinsamen Beschäftigung und Auflehnung herstellen kann. Anschließend möchten wir den im Film formulierten Versuch zur Organisierung in der Stadt gemeinsam mit den Anwesenden diskutieren.

Mittwoch – 20.12.2017 – 19 Uhr – Kölibri (Hein-Köllisch-Platz 12)

Eine Veranstaltung von St. Pauli Solidarisch, St. Pauli selber machen und Wilhelmsburg Solidarisch.

Einladung zu einem Erinnerungsnachmittag für Heiko

Sonntag, 3.12., 15-18 Uhr, Infoladen Wilhelmsburg, Fährstraße 48

Wir laden ein zu einem Nachmittag zur gemeinsamen Erinnerung an unseren im Juni verstorbenen Freund und Genossen Heiko Götz. Es gibt Getränke, Kuchen und Dresdner Stollen. Alle sind eingeladen, Fotos, Videos, Texte und andere Erinnerungsstücke mitzubringen.

Folgender Text ist nach Heikos Tod entstanden, wir möchten ihn an dieser Stelle dokumentieren:

Heiko fehlt!

Heiko ist im Winter 2015 vom Bauverein Reiherstieg zwangsgeräumt worden. Seine Mietrückstände hatte er nachgezahlt. Auf den Mitgliederversammlungen hatte er sich für sozial gerechteres Wohnen im Bauverein eingesetzt. War der Genossenschaft damit unbequem geworden. Trotz Gesprächsversuchen ließ sich der Bauverein nicht von der Räumung abbringen. Heiko musste aus der Wohnung raus, in der er seit vielen Jahren wohnte und von welcher aus er tagtäglich seiner älteren Nachbarin half.

Seit der Räumung hat er keine dauerhafte neue Bleibe in Hamburg gefunden. Er kämpfte um sein Habe, die ihm bei der Räumung abgenommen wurde, machte eine Ausbildung zum Fahrlehrer („wenn ich die Lizenz habe, könnt ihr alle kostengünstig bei mir Führerschein machen“ zeigte seine solidarische Haltung einmal mehr), doch das Jobcenter wurde nicht müde, ihn permanent zu sanktionieren.

Heiko ist Mitte Juni gestorben.

Heiko lebte sein Leben auf eine Art, die Institutionen wie dem Jobcenter oder dem Bauverein nicht passte. Auch wir erinnern uns daran, dass Heiko manchmal ein bisschen chaotisch war, er hatte oft mit Schwierigkeiten zu kämpfen und konnte eine_n auch mal wütend machen. Zugleich war er hilfsbereit, eloquent, charmant, gebildet, klug und patent. Er war ein Sprachengenie und Wortkünstler, er konnte in manchmal fast schwindelig machenden Gedankenketten erzählen. Heiko begegnete Menschen mit großer Aufmerksamkeit und hatte das wohl beste Personengedächtnis von allen. Ungerechtigkeiten machten ihn wütend. Er war immer wieder Teil unserer kollektiven Beratung und brachte Ideen zu den Konflikten seiner Mitmenschen ein.

Wir hatten ihn sehr gern.

Heiko ist zu früh gestorben. Wir sind uns sicher: Ein Leben ohne Räumung und permanente Jobcenter-Sanktionen wäre ein schöneres gewesen. Und vielleicht auch ein längeres.

In Liebe für einen solidarischen Genossen und Freund.

In Wut über die repressiven Armutsverhältnisse, die er erlebt hat.

Wilhelmsburg Solidarisch im Juni 2017

Widerstand gegen Prekarität in Europa: Erfahrungen aus dem spanischen Staat und der BRD

Der neoliberale Kapitalismus in den G20-Staaten charakterisiert sich durch eine Verschiebung des Risikos vom Kapital auf die ganze Bevölkerung. In allen Lebensbereichen führt dies zu wachsender Armut, weniger Rechten am Arbeitsplatz und schärferer Überwachung und Repression bei Erwerbslosigkeit. Dagegen wehren sich Initiativen, Gruppen, Einzelpersonen. Egal, ob es sich um geklauten Lohn, falsch ausgezahlte Stütze oder das ganz alltägliche Beschissenwerden handelt: Widerstand ist notwendig und er muss wahrgenommen werden. Vor diesem Hintergrund wollen wir einen Austausch über verschiedene Erfahrungen mit der Prekarität und den Widerstand dagegen, auf der Arbeit, gegen die Erwerbslosigkeit und gegen Ausbeutung ermöglichen. Zusammen mit verschiedenen Initiativen sollen Erfahrungen diskutiert werden und gemeinsame Wege ausgelotet.

Eingeladen sind:
Baladre (Koordination spanischer Initiativen gegen die Prekarität)
ALSO (Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg)
GAS (Grupo de Acción Sindical)
• Wilhelmsburg Solidarisch

Organisiert von:
• Blauer Montag
• GAS Hamburg
• AGIJ e.V.

Sonntag – 2. Juli – 18.00 Uhr
AGIJ e.V. – Thedestraße 99

Everyday all day: Perspectives on self-organization in everyday struggles

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Hier ist die deutsche Version dieses Textes.
Aquí encuentras la versión española.

It’s Monday morning and the weekend is over. There’s the blues again – trouble at work, trouble with government agencies, trouble with the landlord. As strong as we feel at demonstrations or amongst our circle of friends, we often feel alone facing the troubles in everyday life. It seems to be the same for others, too: there’s the neighbour who seems to be nice but is always tired and harried from her job, or the friend who is facing a lawsuit for being unable to pay his bills. But more often than not, everybody is dealing with allegedly private, personal problems alone.

To counter this miserable condition with political action, for quite some time now some left-wing groups rely on self-organization in everyday struggles. Be it in their respective neighbourhoods or having a specific topic (e.g. renting and evictions or unemployment), people get together to exchange experiences and find solutions for the impositions of bureaucratic-capitalist normality. They organize themselves as those affected by the terror of labor, deportations or the craziness of government agencies. Bureaucracy is countered by clever joint political action, isolation with practical solidarity.

This open forum will discuss the current state and future perspectives of self-organization in everyday struggles in a (self-)critical way. We want to give some of the above mentioned groups an opportunity to talk about the questions that arise out of their political praxis: What strategic topics and problems are currently debated? When are the groups successful – and where do they fail? What do everyday struggles and self-organization have to do with the possibility of broader social transformation?

The following groups will be represented on the panel:
• BASTA! is counseling unemployed people and organize them for joint political action against „Jobcenters“.
FAU Berlin successfully engages in grassroots union work.
• Oficina Precaria Berlin supports, counsels and organizes migrants facing problems with German government agencies and the German social system.
• Wilhelmsburg Solidarisch relies on self-organization and direct action where people are facing problems with landlords, government agencies and their bosses at work.

The event will be held in English. A simultaneous translation into German will be available.

Supported by the AStA of the Universität Hamburg and by the AStA of the Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.

Friday – 2/12 – 19.30
Rote Flora – Achidi-John-Platz 1

El día a día de cada día: perspectivas sobre la autoorganización en las luchas cotidianas

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Es lunes por la mañana y el fin de semana se ha terminado. Vuelve el bajón: problemas en el trabajo, problemas con las oficinas estatales, problemas con la casera. Tan fuerte como nos sentimos en manifestaciones o entre nuestro círculo de amistades, a menudo nos sentimos solas ante los problemas de nuestra vida cotidiana. Parece que esto le sucede también al resto: ahí está la vecina que parece maja pero que siempre está cansada y harta de su trabajo, o la amiga que tiene un procedimiento judicial abierto por no haber podido pagar sus factural. Parece común que todo el mundo está enfrentándose a sus problemas privados y personales en solitario.

Para contrarrestar esta miserable situación con acción política, hace ya un tiempo que algunos grupos de izquierda se apoyan en la autoorganización en las luchas cotidianas. Estando en sus respectivos barrios o trabajando un tema específico (por ejemplo alquiler y desahucios, o el desempleo), la gente se junta para intercambiar experiencias y encontrar soluciones a las imposiciones de la normalidad burocrática y capitalista. Se organizan ellas mismas como aquellas afectadas por el terror al trabajo, deportaciones o la locura de entidades gubernamentales. La burocracia es contrarrestada con acción política común inteligente, y la soledad con solidaridad práctica.

Este foro abierto discutirá el estado actual y las perspectivas futuras de la autoorganización en luchas cotidianas de una forma (auto)crítica. Queremos dar a algunos de los grupos arriba mencionados la oportunidad de hablar sobre las cuestiones que surgen a raíz de su práctica política: ¿Qué temas y problemas estratégicos se están debatiendo en este momento? ¿Cuándo tienen éxito? ¿Cuándo fracasan? ¿Qué tienen que ver las luchas cotidianas y la autoorganización con la posibilidad de un cambio social más amplio?

Los siguientes grupos estarán representados en el panel:
• BASTA! asesora a gente desempleada y la organiza para acciones políticas conjuntas contra los Jobcenters.
• FAU Berlin se involucra con éxito en trabajo sindical de base.
• Oficina Precaria Berlin apoya, realiza consultas y organiza a migrantes que tienen problemas con las entidades gubernamentales alemanas y con el sistema social alemán.
• Wilhelmsburg Solidarisch se apoya en la autoorganización y en la acción directa allí donde la gente tiene problemas con sus caseras, agencias gubernamentales y sus jefas en el trabajo.

El evento será en inglés. Habrá disponible una traducción simultánea al alemán.

Viernes – 2.12. – 19.30
Rote Flora – Achidi-John-Platz 1