Interessen am Arbeitsplatz durchsetzen

Was tun, wenn dein Chef dir Rechte verweigert oder du bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen möchtest? Gerichtsverfahren dauern oft lange und gelten grundsätzlich nur für den Einzelnen, nicht für alle. Letztlich ist das gemeinsame Eintreten für die Interessen aller unumgänglich. Doch Solidarität entsteht nicht von allein. Folgende Tipps sollen dir dabei helfen.

Immer schön langsam
Versuche den Arbeitsdruck zu verringern, indem du stets etwas langsamer arbeitest als der Durchschnitt deiner Kolleg_innen. So kannst du das Gefühl der Konkurrenz senken. Ermutige deine Mitarbeiter_innen, es dir gleichzutun.

Lasst euch nicht allein
Nimm Neue unter deine Fittiche und mache keinen Unterschied zwischen Festangestellten und Leiharbeiter_innen.

Biete Kolleg_innen Unterstützung an, wenn sie von Vorgesetzten angeschrien oder schikaniert werden. Frage nach, ob es ihnen gut geht. Ihr könnt auch mit ein paar Mitarbeiter_innen, denen ihr vertraut, zum Vorgesetzten gehen und eine Entschuldigung verlangen.

Biete an mitzukommen, wenn jemand zu einem Personalgespräch zitiert wird. Falls du selbst zum Vorgesetzten musst, hole dir Unterstützung. Zusammen ist man in der Regel schlagfertiger und lässt sich nicht so leicht über den Tisch ziehen. Vieraugengespräche führen außerdem dazu, dass Beschäftigte gegeneinander ausgespielt werden. Im Gegensatz zu allen Bereichen des öffentlichen Lebens hast du zwar auf der Arbeit kein Recht auf einen Beistand, umso wichtiger ist es aber, zu versuchen, die Isolation voneinander zu durchbrechen.

Sei keine Petze
Beschwere dich nicht bei deinen Vorgesetzten über andere Mitarbeiter_innen. Versuche stattdessen direkt mit deinen Kolleg_innen zu sprechen. Falls der Konflikt dafür zu groß ist, sprich mit anderen Beschäftigten, denen du vertraust. Zusammen werdet ihr eine Lösung finden.

Mach dir Notizen
Oft kommt es vor, dass dir nicht die komplette Arbeitszeit gezahlt wird. Chef_innen tricksen gerne, um Geld zu sparen und dich gratis arbeiten zu lassen. Der erste Schritt, um unbezahlte Arbeit zu verhindern, besteht darin, dir einen Überblick über deine tatsächlich geleistete Arbeit zu verschaffen. Notiere dir deine Arbeitszeiten in einem Arbeitszeitenbuch oder benutze dafür eine Smartphone-App. So kannst du einen Vergleich mit deinem Arbeitszeitkonto anstellen. Du wirst sehen, dass in der Regel mehr gearbeitet wird, als im Vertrag vereinbart ist.

Mach dir Notizen zu Unfällen, Drohungen und Rechtsbrüchen durch Vorgesetzte. Schreib dir Datum, Ort und Zeugen auf. Das hilft dir einen Überblick über Missstände zu bekommen. Auch Fotos – zum Beispiel von Ungeziefer in der Küche – können hilfreich sein, wenn du Druck aufbauen willst.

Manche Chef_innen versprechen ständig Verbesserungen, die sie aber nie in die Tat umsetzen. Lege ein „Tagebuch der falschen Versprechen“ an. Wenn ihr euch stark genug fühlt, könnt ihr den Chef damit konfrontieren und die Umsetzung einfordern.

Verschaff dir einen Überblick über den Arbeitsplatz
Um euch zu organisieren, solltet ihr wissen, mit wem ihr es zu tun habt. Wie viele Beschäftigte gibt es? Wie ist die Arbeit organisiert? Wer ist der Inhaber? Wer sind die Vorgesetzten? Gibt es Subunternehmen? Wie hoch sind die Gewinne? Wer verdient wie viel? Auch wenn das alles zunächst banal klingt, hilft eine Übersicht, einen gemeinsamen Plan zu machen. Mit den Kolleg_innen über den Lohn zu sprechen kann dir übrigens nicht verboten werden. Anderslautende Klauseln im Arbeitsvertrag sind ungültig.

Achte auf die Gerichtsfeste Zustellung von Dokumenten
Willst du beweisen können, dass du deinem Chef etwas mitgeteilt hast, empfiehlt sich ein Einschreiben mit Rückschein oder ein Fax. Beim Fax ist es wichtig, dass eine Kopie des Schreibens auf der Sendebestätigung ist. Ohne eine Zustellbestätigung hast du das Nachsehen, denn E-Mails, Telefonanrufe oder normale Briefe reichen im Zweifelsfall als Beweis nicht aus.

Bestehe auf schriftlichen Anweisungen
Hat man es mit Vorgesetzten zu tun, die immer wieder Dinge verlangen, die so nicht im Arbeitsvertrag festgehalten sind oder gegen Sicherheitsstandards verstoßen, sollte man darauf bestehen, sich diese Anweisungen schriftlich bestätigen zu lassen. Entweder wird die Anweisung dann zurückgenommen und das Problem hat sich erledigt oder du hast zumindest die Möglichkeit Nachzahlungen einzufordern.